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»Mit 80 ins Taufbecken«von Sven Fockner

„Ich habe schon oft nachgedacht, wie mein Leben verlaufen ist, weil ich so dankbar bin, dass ich jetzt Gott gefunden habe. Ich fühle mich unendlich wohl und bin jeden Tag glücklich über meine Entscheidung.“ Elisabeth, eine rüstige Frau Mitte 80, lächelt gedankenversunken. Dann holt sie Luft: „Ich hatte ja schon immer das Gefühl, einen guten Draht nach oben zu haben, aber in meiner streng katholischen Erziehung gab es ja keine Bibel. Wir hatten den Katechismus und haben als Kinder die fett gedruckten Stellen auswendig lernen müssen. Mehr konnte ich gar nicht lernen, weil ich schon als Kind, als mein Vater in den Krieg mußte, in unserer Seilerei gearbeitet habe. Als ich 13 war, sind dann beide Eltern innerhalb von fünf Wochen verstorben und so konnte ich nur die Volksschule besuchen.“

                                           
Ihr Mann Johannes, den sie 1957 heiratete, hatte studiert, aber die Bibel kannte er auch nicht. Obwohl also ihr ganzes geistliches Wissen aus dem Katechismus stammte, kam den beiden schon damals einiges merkwürdig vor. Sie lehnten beispielsweise die Unfehlbarkeit des Papstes und die Ohrenbeichte ab. Man merkt Elisabeth an, dass sie diese Lehren bis heute entrüsten. „Mein Mann hat immer gesagt: Die ersten 300 Jahre war die Kirche noch in Ordnung.“

Beruflich kam Elisabeths Mann 1977 mit einem adventistischen Ehepaar in Kontakt und elf Jahre später betraten die beiden – auf Einladung von Karin und Siegfried – das erste Mal eine Adventgemeinde. „Die Freundlichkeit der Menschen auf dieser Einweihungsfeier hat uns damals begeistert,“ erinnert sich Elisabeth. „Johannes meinte, er würde so gern in der Bibel lesen, doch wir wussten schon, dass das gar nicht so einfach ist. Er hat uns nämlich ein paar Jahre zuvor eine Bibel zu Weihnachten geschenkt, in der wir jeden Abend lesen wollten. Aber man kann die Bibel ja nicht lesen wie einen Roman und so haben wir nach einiger Zeit enttäuscht aufgegeben.“